Resident oder non-resident?


Immer wieder kommt die Frage bei der kanadischen Steuererklärung auf - Bin ich resident oder non-resident? Diese Frage ist leider nicht so leicht zu beantworten. Es hängt von einigen Faktoren ab.

Es ist wichtig zu wissen, dass ein Working Holiday Visa einen nicht automatisch zum non-resident macht. “Resident for tax purposes” darf nicht mit “permanent resident” oder sogar mit "citizenship" verwechselt werden.

Keine Steuersituation kann mit der von einem Freund oder anderen Personen verglichen werden. Es gibt kein 0815-Vorgehen.

Die folgenden Punkte wirken sich positiv auf die Einstufung als resident aus, je mehr man davon hat, desto besser stehen die Chancen. Die folgende Reihenfolge ist die Stärke der Gewichtung.
  • Aufenthaltsdauer (im Steuerjahr länger als 183 Tage in Kanada),
  • Familie (Ehepartner und Kinder) geht mit nach Kanada, 
  • eigene richtige Wohnung mit Mietvertrag (keine WG),
  • kanadische Krankenversicherung von einer Provinz, 
  • Auto,
  • kanadischer Führerschein,
  • kanadisches Bankkonto, 
  • kanadische SIM-Card oder Handyvertrag 
Die stärkste Bindung zu Kanada ist eigentlich eine health care card von einer Provinz. Eine kanadische Krankenversicherung ist schwer zu bekommen und man muss Canadian residency nachweisen. Deshalb wird es sich in der Gewichtung sehr positiv auswirken.

Weiterhin muss geprüft werden,
  • ob ihr in jeder Provinz nur auf der "Durchreise" wart, also nur ein paar Wochen/Monate in der Provinz wart.
  • ob ihr nur im Auto oder in Hostels geschlafen habt.
  • ob ihr sehr oft außerhalb Kanadas auf road trips wart.
  • ob ihr für ziemlich lange beim gleichen Arbeitgeber angestellt wart.
Ein typischer Backpacker auf Reisen zu sein ist nicht schlimm, und es ist die geilste Zeit des Kanada-Aufenthaltes, aber es wirkt sich auf die Steuersituation aus. 

Hier ein paar Beispiele, bei denen man non-resident ist.

  • Wenn man überhaupt keine der o.g. Bindungen zu Kanada hat. 
  • Wenn die Familienmitglieder (Ehepartner und/oder Kinder) in Deutschland geblieben sind.
  • Jemand, der eine leer stehende Wohnung in Deutschland hat. Da ist man automatisch non-resident in Kanada, weil Wohneigentum der wichtigste Faktor ist und alle anderen Faktoren nichtig macht.  
  • Wenn man im Steuerjahr weniger als 183 Tage in Kanada war und nur in Hostels oder im Auto übernachtet hat. 
  • Wenn man im Steuerjahr zwar länger als 183 Tage in Kanada war, aber in mehreren Provinzen nur kurz gearbeitet und in Hostels, Staff Accommodation oder im Auto geschlafen hat. Also ein typischer Backpacker auf Reisen.
  • Wenn man nur ein bezahltes Praktikum für ein paar Monate in Kanada macht.
  • Wenn man nur für ein paar Monate kommt, um auf einer Farm zu arbeiten.
  • Wenn man im Steuerjahr sowohl eingereist als auch ausgereist ist, z.B. Einreise im April 2019 und Ausreise im August 2019.   
  • Jemand der im November oder Dezember des Steuerjahres eingereist ist. Da ist die Zeit einfach zu knapp, um im Steuerjahr die richtigen Bindungen herzustellen. 
  • Jemand, der insgesamt keine 6 Monate in Kanada war. z.B. im November des Steuerjahres eingereist ist und im März des nächsten Jahres ausgereist ist. Auch da ist die Zeit zu kurz. 

Um dir bei der Entscheidung zu helfen:

Wenn du alle dieser Fragen mit "ja" beantworten kannst, kannst du die Steuererklärung ruhig als resident abgeben.
  1. Warst du im Steuerjahr länger als 183 Tage in Kanada?
  2. Warst du am 31.12. des Steuerjahres noch in Kanada?
  3. Treffen mindestens 3 der o.g. Bindungen auf dich zu?