Contractor oder Employee?



Viele Work and Traveller werden in eine Situation kommen, in der der neu gefundene Job sich einfach zu gut anhört. Dann stellt sich heraus, dass der zukünftige Arbeitgeber euch als "contractor" einstellen möchte. Das bedeutet der Arbeitgeber hält sich aus den Steuersachen raus. Er stellt keine Lohnzettel aus und zieht auch keine Lohnsteuern, Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung ab.

Der Grund, warum die Arbeitgeber soviele Work and Traveller als "contractors" ausnutzen:
Normalerweise ist bei einem Employee-Verhältnis der Arbeitgeber verpflichtet, die Lohnsteuern, die Rentenversicherung (CPP) und Arbeitslosenversicherung (EI) abzuziehen und an die Steuerbehörde abzuführen. Der Arbeitgeber muss sowohl den Employee-Anteil als auch seinen eigenen Anteil der Pflichtbeiträge übermitteln. 

Wenn er einen als contractor einstellt, 
  • drückt er sich vor dem eigenen Anteil der Pflichtbeiträge. 
  • muss er keine Überstunden bezahlen
  • muss er kein vacation pay (Urlaubsgeld) bezahlen
  • muss er kein holiday pay (Feiertage) bezahlen

Diese Extrazahlungen werden euch als contractor alle entgehen.

In Kanada nennt man das, was der Arbeitgeber macht, Steuerhinterziehung und der Arbeitgeber kann da in mächtige Schwierigkeiten kommen und hohe Steuerstrafen zahlen. 

Als contractor muss man alle Steuern selbst abführen und zusätzlich auch noch den Arbeitgeberanteil der Rentenversicherung (CPP) bezahlen, weil man sein eigener Arbeitgeber ist.

Und neben all den extra Zahlungen, die dir entgehen, ist es am schlimmsten und am frechsten, dass der Arbeitgeber dich nicht für Unfälle am Arbeitsplatz versichern muss. Da spart er sich auch noch Geld und du musst dich privat versichern, was sehr teuer werden kann. In einem Bürojob nicht so schlimm, aber in einem Handwerksberuf kann viel passieren. Und das übernimmt keine Auslandskrankenversicherung.

Ab einem Verdienst von $30,000 pro Jahr muss man sich auch für die GST-Nummer registrieren, diese GST dann in den Rechnungen ausweisen und die GST (Umsatzsteuer) an die Steuerbehörde abführen. Dementsprechend wird die Steuererklärung am Ende des Jahres kompliziert und ein accountant muss an diese Sache ran.

Wann ist man ein Employee?
(Wenn du diese Fragen mit "Ja" beantworten kannst.)
  •  Hat der Arbeitgeber den Stundenlohn selbst festgelegt?
  • Wird der Arbeitgeber einen Arbeitsplan/Schichtplan erstellen?
  • Entscheidet der Arbeitgeber selbst, wo, wann und wie du die Arbeit erledigen musst? 
  Was passiert mir, wenn das raus kommt?
Außer dass du höhere Beträge für die Rentenversicherung zahlst, wird dir nichts passieren, denn du selbst verstößt nicht gegen das Steuergesetz. 
Was kommt auf den Arbeitgeber zu?
  • Er muss alle ausstehenden Lohnsteuern und Pflichtbeiträge inkl. des Arbeitnehmeranteils (rückwirkend zum Beginn der Arbeit) nachzahlen.
  • Er muss Strafen und Zinsen für den überfälligen Betrag zahlen.
Falls du dich für den Job entscheidest, und dir bewusst ist, was auf dich zukommt, lege etwa 30% von den Einnahmen beiseite. So tut es bei der Steuererklärung dann nicht so weh. 

Ich empfehle, eine Excel-Tabelle zu führen. Darin sollte der Firmenname mit Adresse und Kontaktdaten stehen. Dann alle Einnahmen auflisten. 

Bei der Steuererklärung muss man als contractor oder self-employed das Formular "T2125 Statement of Business or Professional Activities" ausfüllen und das Einkommen melden. Dementsprechend wird versteuert. 

Wenn ihr sicher seid, dass ihr eigentlich ein employee wart, könnt ihr das hier probieren. 

  1. Den Gesamtbetrag dieser Einnahmen unter "Other Employment Income" in Zeile 104 in der Steuererklärung eintragen.
  2. Die Excel-Liste mit der Übersicht der Einnahmen ausdrucken und handschriftlich drauf schreiben, und mit etwas Glück muss man dann nicht die Arbeitgeber-CPP-Beiträge (Rentenversicherung) zahlen: 

"From this employer I have never received a T4 for my work. I worked fixed hours and the employer set the wage and the work schedule. To this company I was an employee. Herewith I request a ruling about my relationship with the employer. In my opinion I do not have to pay the employer portion of the Canada Pension Plan"